An der Gründungsfeier der Aargauer Konferenz der Religionen am 22. April 2014 im Grossratsgebäude in Aarau nahmen die Leitungspersonen islamischer und jüdischer Gemeinschaften und der drei Aargauer Landeskirchen teil. Sie bekräftigten unisono die Wichtigkeit des interreligiösen Austausches und des gegenseitigen Verständnisses. Die Angehörigen der Religionsgemeinschaften seien in ihrer jeweiligen spirituellen Herkunft verwurzelt, betonte der Präsident der Reformierten Landeskirche Aargau und erste Präsident der Konferenz, Christoph Weber-Berg. «Diese Verwurzelung erlaubt es, offen und tolerant auf Andersgläubige zuzugehen.»

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Ziel der Aargauer Konferenz der Religionen ist es, das gegenseitige Vertrauen der Religionsgemeinschaften und das friedliche Zusammenleben zu fördern. Dazu will man das Gespräch mit staatlichen Institutionen zu gemeinsamen Anliegen suchen und fördern. Die Öffentlichkeit soll sachlich und differenziert über religiöse Inhalte, Traditionen und aktuelle Themen informiert werden.

 

Ein Gegenüber für den Staat


Religionsfreiheit bedeute nicht, dass die Gesellschaft frei von Religion sei, sagte Weber-Berg weiter. Im Gegenteil brauche der Staat die Religionsgemeinschaften als Gegenüber. Deshalb will sich die Konferenz der Religionen bei Themen, welche das Miteinander der Religionen betreffen, künftig zu Wort melden.

 

Zwar könne sich die Schweizer Bevölkerung glücklich schätzen, in Frieden, Freiheit und Demokratie zu leben. Doch könne man vom Staat nicht alles erwarten, betonte Hisham Maizar, Präsident des Schweizer Rats der Religionen. Die Religionsgemeinschaften seien aufgerufen, Werte wie Gerechtigkeit und Solidarität zu verteidigen. Halit Duran, Präsident des Verbandes Aargauer Muslime, ergänzte, besonders für Angehörige nichtchristlicher Religionen sei ihre Religion eine wichtige Hilfe zur Integration in der hiesigen Gesellschaft.

 

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Die Präsidentin der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz, IRAS COTIS, die Islamwissenschafterin Rifa'at Lenzin, erinnerte daran, dass es einen echten Dialog nur unter gleichberechtigten Partnern geben könne. Für den Erfolg der Konferenz sei es zentral, dass man sich des strukturellen Ungleichgewichts zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Minderheiten bewusst sei.

 

Die gemeinsamen Wurzeln der jetzt in der Konferenz vertretenen abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) wurden angesprochen. Joseph Bollag von der israelitischen Kultusgemeinde Baden betonte die Diskussionskultur im Judentum, die häufig keinen Sieger kennt, weil beiden Seiten Richtigkeit zuerkannt wird.

 

Der Staat wurde an der Gründungsfeier vom Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport, vertreten. Er erinnerte die Religionsgemeinschaften daran, dass sie von der verfassungsmässig garantierten Religionsfreiheit profitierten, umgekehrt hätten sie diese Verfassung zu respektieren. Er anerkannte die grossen sozialen und kulturellen Beiträge der Kirchen und Religionsgemeinschaften zur Gesellschaft und begrüsste den kommenden Dialog mit der Konferenz.

 

Vertrauen ist zentral


Der Aargau ist erst der zweite Kanton, in dem es ein vergleichbares interreligiöses Gremium gibt. Michel Müller, Präsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich überbrachte die Gratulationen des seit zehn Jahren bestehenden Runden Tisch der Religionen in Zürich. Er erinnerte die Aargauer daran, dass Vertrauen zentral sei für die gemeinsame Arbeit. «Und Vertrauen entsteht dort, wo man einander zuhört.»

 

Gründungsmitglieder des Gremiums sind die Römisch-katholische, die Reformierte und die Christkatholische Landeskirche, der Verband Aargauer Muslime sowie die Israelitische Kultusgemeinde Baden. Die Konferenz steht weiteren Gemeinschaften offen, sofern diese im Kanton eine gewisse Relevanz haben und sich am Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften beteiligen. Präsident ist im ersten Jahr Christoph Weber-Berg von der Reformierten Landeskirche Aargau; danach wechselt das Präsidium jährlich.

 

Die Aargauer Konferenz der Religionen will sich mindestens ein Mal jährlich treffen, um über aktuelle und grundsätzliche Themen mit religiösem Hintergrund zu sprechen. Da die Religionen und Kirchen durch ihre jeweiligen Leitungspersonen vertreten sind, erhalten ihre Gespräche und öffentlichen Mitteilungen einen offiziellen Status. Die Aargauer Konferenz der Religionen versteht sich daher als legitime Gesprächspartnerin von Behörden und Staat.


ria / Thomas Uhland

Informationsdienst Reformierte Landeskirche Aargau

 

 

Lesen Sie hier auch den Artikel in der AZ vom 24. Januar 2014.