von Hamit Duran, Baden-Turgi

Bereits zum zehnten Mal lud der Verband Aargauer Muslime (VAM) zu einem öffentlichen Fastenbrechen (arab. Iftar) ein. Rund 150 Personen folgten dieser Einladung und fanden sich am Abend des 11. März 2026 in der Moschee des Türkischen Kulturvereins in Döttingen AG ein.

Harbin Jakupi führte durch den Abend, der durch eine Quran-Rezitation des Imams mit anschliessender Übersetzung eröffnet wurde. Neben der ersten Sura im Quran (Al-Fatiha) lauschten die Anwesenden auch den Versen 183-185 der zweiten Sura (Al-Baqara), in welcher den Muliminnen und Muslimen das Fasten im Ramadan auferlegt wird.

Es folgten kurze Ansprachen von Can Öztürk, dem Präsidenten der Moschee Döttingen, der diese Zusammenkunft als starkes Zeichen für Zusammenhalt und Respekt beschrieb, und Halit Duran, dem Präsidenten des VAM, der festhielt, dass dieses Jahr die christliche und die muslimische Fastenzeit zusammenfallen. Die Fastenzeit ist in allen Religionen eine Zeit der Einkehr, der Besinnung und des Mitfühlens mit anderen. Sie ist auch eine Zeit des Friedens und der Dankbarkeit. Halit Duran erwähnte auch, dass dies bereits der zehnte öffentliche Iftar ist, den der VAM seit seiner Gründung im Jahre 2004 durchführt. Wichtig ist, dass dabei das Verbindende und nicht das Trennende betont wird.

Als nächstes wandte sich Frau Vizeammann von Döttingen, Claudia Hauser, an die Anwesenden. Sie wünschte allen ein gesegnetes Fastenbrechen, welches sie als gelebtes Miteinander voller Respekt und Offenheit versteht. Dabei sieht sie kulturelle und religiöse Vielfalt nicht als eine Herausforderung, sondern als eine Bereicherung. Sie lobte auch die Offenheit der Moscheegemeinde von Döttingen, die jedes Jahr mit einem Stand am traditionellen Winzerfest teilnimmt.

Die letzten Ansprachen vor dem Fastenbrechen kamen von Aline Mombauer und Martin Langhans von der römisch-katholische Kirchgemeinde Döttingen. Sie erklärten die Bedeutung des Fasten im Christentum, bei dem es vor allem um dem Verzicht auf Gewohnheiten geht. Selbstredend ist das Fasten sehr individuell, z.B. Verzicht auf Süssigkeiten, Fleisch, Medienkonsum, Rauchen, etc. Speziell das Fasten am Aschermittwoch und am Karfreitag haben im katholischen Glauben einen hohen Stellenwert. Die Fastenzeit endet dann mit dem traditionellen «Eiertütschen». Und auch im Christentum wird grosser Wert auf das Spenden gelegt, z.B. über das Hilfswerk «Fastenaktion».

Nach dem Gebetsruf (arab. Azan), der durch den Imam vorgetragen wurde, servierten flinke Hände das von den Fastenden ersehnte Iftar-Gericht, welches aus Datteln, Suppe mit Brot, Fleischsauté mit Reis und Salat bestand. Es mundete herrlich nach einem langen Fastentag.

Nach dem Essen ging es weiter im Programm mit einer Rede von Markus Dettwiler, dem Pfarrer der reformierten Kirche Klingnau. Er begann mit einer Schweigeminute für die vielen Opfer der Kriege, die momentan auf dieser Welt ausgetragen werden. Trotz all dem Leid dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Auch wenn wir wissen, dass die Welt morgen untergeht, sollten wir heute noch einen Apfelbaum pflanzen.

Frau Leyla Gökdemir, Frauenbeauftragte des türkischen Kulturvereins Döttingen, berichtete dann über die Bedeutung des Fastens im Islam. Der Ramadan wird als Geschenk an die Musliminnen und Muslime angesehen. Er hilft ihnen, sich in Tugenden wie Selbstbeherrschung, Geduld und Mitgefühl zu üben.

Den Abschluss bildete schliesslich die Rede des türkischen Generalkonsuls in Zürich, Fazli Çorman, welche von Halit Duran vom Türkischen ins Deutsche übersetzt wurde. Er ging dabei vor allem auf die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs ein und lobte die lokale Vernetzung des Türkischen Kulturvereins Döttingen sowie die Anwesenheit von Frauen, Männern und Kindern an diesem Anlass. Er erwähnte auch, dass die Türkei, zusammen mit Spanien, zu den Gründungsmitgliedern der «Allianz der Zivilisationen» (englisch Alliance of Civilizations, AoC) der UNO gehört. Denn der interreligiöse und interkulturelle Dialog hat in der Türkei einen hohen Stellenwert, da die Türkei auf der Bruchlinie vieler internationaler Konflikte liegt.

Obwohl das diesjährige öffentliche Fastenbrechen in einer ganz anderen, eher ungewohnten und sonderbaren Atmosphäre stattfand als die neun VAM-Iftars der früheren Jahre, bot dieser Anlass wieder viel Gelegenheit zu Diskussion und Austausch.

Die Lokalzeitung «Die Botschaft» berichtete unter dem Titel «Das Verbindende, nicht das Trennende betonen» über diesen Anlass. Der kostenpflichtige Artikel kann hier heruntergeladen werden.

Zu gegebener Zeit werden wir auch eine Bildergalerie aufschalten.