von Hamit Duran, Baden-Turgi
Am 20. September 2026 wurde wieder der eidgenössische Dank., Buss- und Bettag, der seinen Ursprung im Kanton Aargau hat, gefeiert. Der VAM engagierte sich wieder im interreligiösen Austausch.
Gebet der Religionen in Baden
In der katholischen Stadtkirche Baden versammelten sich zu diesem Anlass rund 150 Menschen zum traditionellen Gebet der Religionen. Nachdem der VAM im letzten Jahr mangels personeller Ressourcen nicht teilnehmen konnte, war er dieses Jahr wieder voll engagiert. Das Motto lautete aus aktuellem Anlass: Erntedank – in «undankbaren Zeiten».
Vertreterinnen und Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, des Verbands Aargauer Muslime, der Bahá‘í-Gemeinde Aargau, der Reformierten Kirche Baden plus, der Katholischen Kirche Baden-Ennetbaden sowie der Christkatholischen Kirche Baden-Brugg-Wettingen gestalteten gemeinsam das interreligiöse Gebet.
Im Mittelpunkt stand die Frage, was Dankbarkeit in einer Zeit bedeutet, die von Unsicherheit, Krisen, Konflikten und gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. Die Beiträge aus den verschiedenen religiösen Traditionen machten deutlich, dass Dankbarkeit nicht nur dann ihren Platz hat, wenn es uns gut geht. Gerade in schwierigen Zeiten kann sie helfen, den Blick auf das zu richten, was uns verbindet und was uns trotz aller Herausforderungen geschenkt und anvertraut ist.
Für den Verband Aargauer Muslime sprach Hamit Duran. Aus quranischer Perspektive erinnerte er daran, dass Dankbarkeit mehr ist als Worte. Sie zeigt sich auch in der Verantwortung gegenüber anderen: im Teilen von Nahrung, in der Unterstützung Bedürftiger und darin, die eigenen Fähigkeiten zum Guten einzusetzen. Die vollständige Rede kann hier heruntergeladen werden.
Das gemeinsame Gebet wurde so zu einem Zeichen des gegenseitigen Respekts und der Verbundenheit. Unterschiedliche religiöse Traditionen kamen zusammen, ohne ihre Eigenheiten aufzugeben – und fanden zugleich gemeinsame Gedanken zu Dankbarkeit, Hoffnung, Verantwortung und Gemeinschaft.
Im Anschluss an das Gebet waren die Teilnehmenden zu einem Apéro auf dem Kirchplatz eingeladen. Bei Begegnungen und Gesprächen konnte der interreligiöse Austausch in ungezwungener Atmosphäre weitergeführt werden.
Der Anlass zeigte eindrücklich: Dankbarkeit verbindet. Gerade in «undankbaren Zeiten» kann sie den Blick dafür öffnen, was uns gegeben ist, was wir einander geben können und was wir gemeinsam bewahren möchten.
Interreligiöse Begegnung in Untersiggenthal
Zur gleichen Zeit kamen über 100 Menschen in der Sickinga-Halle in Untersiggenthal zu einer interreligiösen Feier unter dem Thema «Vertrauen» zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Vertrauen für unser persönliches Leben, unseren Glauben und unser gesellschaftliches Zusammenleben bedeutet.
In verschiedenen Beiträgen wurde deutlich: Vertrauen bedeutet nicht, dass wir immer einer Meinung sein müssen. Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft ist es wichtig, einander zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und sich mit Respekt zu begegnen.
Aus islamischer Perspektive griff Yasemin Duran die Geschichte von Hadschar und ihrem Sohn Ismail auf. Ihre Geschichte zeigt, dass Vertrauen nicht bedeutet, passiv zu warten. Hadschar vertraut auf Gott und handelt gleichzeitig. Sie macht sich auf den Weg und sucht nach einer Lösung.
Auch für unser Zusammenleben kann dies ein wichtiges Bild sein: Wir sehen den ganzen Weg vielleicht noch nicht, aber wir können gemeinsam den nächsten Schritt gehen.
Der Anlass bot Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen und setzte damit ein Zeichen für ein vertrauensvolles Miteinander über religiöse Grenzen hinweg.


